"Es gibt keine Passagiere auf dem Raumschiff Erde, wir gehören alle zur Crew."

Marshall McLuhan

Wie können wir leben, produzieren und konsumieren, ohne die Grundlagen menschlichen Lebens auf der Erde aufzuzehren? Hinterlässt unsere Lebensweise einen ökologischen Fußabdruck, der auf Dauer zu groß ist für unseren Planeten? Und wie sieht ein nachhaltig geführtes, sinnerfülltes Leben im Einklang mit der Natur – auch der menschlichen – aus?

Fragen wie diese stellen sich viele Menschen. Ihre Antworten darauf fallen ganz unterschiedlich aus. Im Projektkurs Reportagefotografie zum Thema »Nachhaltigkeit« nehmen die beteiligten Fotograf*innen unter Leitung der Fotojournalistin Ann-Christine Jansson verschiedene Antworten auf diese Fragen in den Blick.

In den Projekten geht es beispielsweise um den Protest gegen den Raubbau an der Natur und gegen den Klimawandel; es geht um Initiativen, die das Bewusstsein für einen maßvollen und bewussten Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen schärfen wollen; es geht um Menschen, die weniger und nachhaltiger produzieren und konsumieren wollen; es geht um Tierschutz und eine andere Landwirtschaft, um einen achtsamen Umgang mit Lebensmitteln und um Raum für Natur in der Stadt; Menschen, die weniger oder gar keinen Müll erzeugen wollen, werden porträtiert, und Protagonisten einer nachhaltigen Energieerzeugung werden gezeigt.


Während der Arbeit an dem Projekt rückte das Thema Nachhaltigkeit immer mehr ins Zentrum der politischen Debatten in Deutschland. Dafür sorgten u.a. die Fridays for Future-Demonstrationen, die auch in Berlin stattfinden. Diese Aktualität hat die Arbeit an den Fotoprojekten und vor allem die Diskussionen über die Fotos beeinflusst. Sie hat aber vor allem den Blick geschärft dafür, wie viele Facetten das Thema besitzt. Die fotografischen Erzählungen aus unterschiedlichen Lebensbereichen zeigen, dass die Fußabdrücke Einzelner einen breiter werdenden Weg zu einer nachhaltigeren Lebensweise formen können.


Nachhaltigkeit beginnt nicht erst bei großen politischen Entscheidungen, sondern im Alltag. Sie zeigt sich darin, wie wir uns fortbewegen, welche Lebensmittel auf unseren Tellern liegen, wie wir wohnen, was wir kaufen und was nach der Nutzung mit den Dingen geschieht. Doch Nachhaltigkeit meint mehr als Verzicht. Sie beschreibt die Suche nach einer Lebensweise, die ökologische Verantwortung mit sozialer Gerechtigkeit und persönlicher Lebensqualität verbindet.


Ein Bild erzählt von konkreten Orten und macht persönliche Erfahrungen unmittelbar sichtbar. Es kann Widersprüche zeigen: zwischen Komfort und Ressourcenverbrauch, zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz natürlicher Lebensräume, zwischen individuellen Bedürfnissen und gemeinschaftlicher Verantwortung. Dadurch wird Nachhaltigkeit nicht als fernes Zukunftsthema, sondern als gegenwärtige gesellschaftliche Aufgabe erfahrbar.


Einzelne Menschen stehen dabei nicht für eine einzige Lösung. Ihre Lebensentwürfe sind unterschiedlich, manchmal sogar widersprüchlich. Einige setzen auf Verzicht und Reduktion, andere entwickeln neue Formen des Wirtschaftens oder der Energiegewinnung. Wieder andere engagieren sich politisch oder schaffen Räume, in denen Natur und Gemeinschaft zusammenfinden. Gemeinsam ist ihnen die Bereitschaft, Gewohnheiten zu hinterfragen und Verantwortung für die Folgen des eigenen Handelns zu übernehmen.


Dabei stellt sich auch die Frage, wie viel Veränderung dem Einzelnen zugemutet werden kann. Verbraucherinnen und Verbraucher können Entscheidungen beeinflussen, handeln jedoch innerhalb eines Systems, das Produktion, Mobilität und Konsum prägt. Nachhaltiger Wandel braucht deshalb beides: bewusste Entscheidungen im Alltag und Rahmenbedingungen, die verantwortliches Handeln ermöglichen. Erst wenn persönliche Initiative, gesellschaftliches Engagement und politische Veränderungen zusammenspielen, kann aus einzelnen Impulsen eine dauerhafte Entwicklung entstehen.


Die fotografischen Arbeiten laden dazu ein, genauer hinzusehen. Sie dokumentieren nicht nur Probleme, sondern erzählen von Ideen, Engagement und möglichen Alternativen. Nachhaltigkeit erscheint dabei weniger als fertiger Zustand denn als fortlaufender Prozess – als gemeinsame Suche danach, wie wir unsere Lebensgrundlagen bewahren und zugleich ein gutes Leben für heutige und kommende Generationen ermöglichen können.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog auf Deutsch und Englisch.